Search

Leben

Leben und leben lassen, heißt es oft im Umgang untereinander. Ich mache, was mir gefällt, was ich für richtig halte, und der oder die andere auch. Und wir reden einander nicht rein, mischen uns nicht ein, kommen uns nicht zu nahe, halten uns raus. Und das in allen Bereichen des Lebens, privat und geschäftlich, in der Familie, unter Freunden, unter Kollegen.

Lass mich in Ruhe, dann lass ich dich in Ruhe; stell mich nicht in Frage, dann bin ich auch still. So kommen wir gut miteinander aus und leben friedlich miteinander, oder?

Jesus Christus spricht: "Ich lebe und ihr sollt auch leben." So heißt die Jahreslosung für das Jahr 2008 aus dem Johannesevangelium Kapitel 14 Vers 19. Klingt das nicht genauso wie das Lebensmotto vieler Menschen oder wenigstens fast genauso?

Nein, sicherlich nicht!

Es ist ein Gotteswort und klingt nach Hoffnung und Zuversicht. Dennoch fällt es mir schwer, mich mit diesem Wort näher zu beschäftigen, in die Bibel zu schauen und nachzulesen, in welchem Zusammenhang der Vers steht und was damit wirklich gemeint ist. Ich bin traurig, wütend, gelähmt, möchte einfach nur schreien, eine Mischung aus allem gleichzeitig und noch vielem mehr, für das ich keine Worte finde, und ich bin sicher, mir geht es beim Lesen dieser Worte nicht allein so.

"Ihr sollt leben", steht in der Jahreslosung, aber ein Mensch, den ich geliebt habe, lebt nicht mehr; er ist innerhalb von 2 Wochen gestorben, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, von jetzt auf gleich, ohne äußere Anzeichen, umgefallen und nicht wieder zu Bewusstsein gekommen. Und ich weiß von anderen Menschen, dass sie eine vergleichbare Erfahrung im letzten Jahr auch machen mussten und einen Menschen verloren haben, die sie geliebt haben und immer noch lieben; ein Elternteil, einen Partner, einen Freund, ein Kind.

"Ihr sollt leben" klingt da fast wie ein Hohn und nicht wie eine Hoffnung….. aber eben nur fast, nur dann, wenn man den Absender der Worte nicht kennt. Ich habe vor Jahren an dieser Stelle schon einmal gesagt, es ist ein Geheimnis; eigentlich will ich den Bibeltext nicht lesen, will ich die Stelle nicht verstehen, und irgendwann greife ich dann doch zur Bibel und lese nach. Warum, weiß ich nicht, aber ich kann allen Menschen mit einer vergleichbaren Erfahrung nur wünschen, sich auf dieses Geheimnis einzulassen. Es eröffnet den Trauernden eine Perspektive und zeigt das Ziel des Glaubens an Jesus Christus.

"Ich lebe", sagt Jesus seinen Jüngern und weist damit auf seine Auferstehung hin, auf seinen Tod und seinen Sieg über den Tod. Und auf seine Wiederkehr, denn kurz vorher, in Vers 2 und 3 sagt er den Seinen, die ihm nachfolgen, dass er geht um einen Platz für sie vorzubereiten im Haus seines Vaters, in dem viele Wohnungen sind und dass er kommen wird, sie zu sich zu holen, wenn alles vorbereitet ist.

"Ihr sollt leben" heißt genau dies: Ihr, die ihr zu mir gehört, werden nach eurem irdischen Leben bei Gott leben; der Tod ist nicht das Ende, weil Jesus den Tod besiegt hat.

Gleiches gilt, und davon bin ich fest überzeugt, für die Kinder. Jesus betont immer wieder, dass den Kindern das Himmelreich gehört und dies nehme ich wörtlich.

"Ich lebe und Ihr sollt leben" gilt heute wie damals und ist tatsächlich ein Wort des Trostes und der Hoffnung.

Allerdings unterscheidet die Bibel sehr deutlich zwischen erwachsenen Menschen, die zu Gott gehören und solchen, die ohne Gott leben. Jesu Zusage gilt denen, die an Gott glauben, sich im Leben auf Erden zu ihm halten, ihn bekennen. Und für Menschen, die nicht zu Jesus gehören, hat er auch keine Wohnung bereitet, zumindest steht dies nicht im Johannesevangelium und auch nicht an anderen Stellen der Bibel.

Das ist schlimm für einen gläubigen Menschen, der einen Angehörigen oder Freund verliert. Gibt es ein Wiedersehen im Himmel?

"Das weißt du nicht, Michael", waren die Worte unseres Gemeindepfarrers im Sommer. Vielleicht reicht Gottes Gnade und Güte über das hinaus, was wir in der Bibel lesen und von ihr verstehen.

Richtig. Und weil wir dies nicht wissen, werden wir im CVJM Köln - Süd nicht müde, Menschen von Gott zu erzählen, Glauben vorzuleben und einzuladen, zu Gott zu gehören, an ihn zu glauben und zu leben.


Michael Kredelbach

Additional information